Was lange währt…

wird endlich gut. Davon gehe ich nach wie vor aus. Nun ist die OP schon 25 Tage her und ich hadere zuweilen doch ein wenig mit meinem Zustand. Es kostet sehr viel Kraft, immer wieder positiv nach vorne zu blicken und diese schleppende Phase der Heilung zu akzeptieren.

Der Schwindel begleitet mich auf Schritt und Tritt. Jeden Morgen, bevor ich den ersten Fuß aus dem Bett setze, frage ich mich, ob es jetzt besser ist. Leider war bisher immer nach den ersten Schritten klar, dass sich noch nichts verändert hat… Allerdings habe ich mich schon ein wenig an den Zustand gewöhnt und kann besser damit umgehen, wenn es mich mal wieder so richtig erwischt. Das ist wie auf See, da kann man auch irgendwann mit den Wellen mitgehen. Wenigstens führt der Schwindel nicht zu Übelkeit, im Gegenteil: Ich habe unheimlichen Appetit.

Der Geschmackssinn lässt sich aber leider auch seeehr viel Zeit. Alles schmeckt irgendwie nach Seife, die Zunge fühlt sich leicht betäubt an. Aber hier merke ich zumindest eine stete Veränderung, die mich hoffen lässt, dass sie schließlich in einer Wiederherstellung mündet.

Der Tinnitus auf dem OP-Ohr ist teilweise immer noch extrem laut. Komischerweise klingt er oft so, als wäre im Nachbarhaus oder einer anderen Etage eine riesige Party im Gange – so mit lauter Musik und viel Gebrabbel durcheinander. Interessante Audioillusion! Leider kann ich nicht mal eben bei den Nachbarn klingeln und sie darum bitten, etwas leiser zu sein – oder einfach mitfeiern. Da hilft nur ignorieren.

Mein »normaler« Tinnitus war für mich aber auch schon immer deutlich lauter, wenn ich kein Hörgerät im Ohr hatte. Daher habe ich die begründete Hoffnung, dass der Zauber vorbei ist, wenn endlich der Strom ans Implantat kommt.

Damit wären wir auch schon beim nächsten Thema: Der Strom. Von vielen Leuten werde ich immer wieder gefragt, wie es denn jetzt nach der OP mit dem Hören ist. Und ich muss immer wieder antworten: Erst Heilung, dann Hören. Schließlich ist das Implantat in meiner Cochlea ziemlich dumm und kann von sich aus gar nichts. Erst am 25. März 2019 wird die Technik zum Leben erweckt. Dann bekomme ich den Prozessor. Das ist das einem Hörgerät ähnliche Teil, das über eine Spule induktiv die Verbindung mit meinem Implantat herstellen wird. Dann werde ich den ersten elektrischen Höreindruck erleben. Wie das klingt und was mein Gehirn daraus macht, darauf bin ich sehr gespannt!

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